Dabei war Tetra Pak keineswegs der erste Produzent von Getränkekartons gewesen. Bereits in den 1920er-Jahren belieferten zehn Firmen amerikanische Molkereien mit befüllbaren Kartons. Diese Möglichkeit lernte auch Ruben Rausig kennen, der zu dieser Zeit in den USA studierte.
Mit Entwicklern seiner eigenen Verpackungsfirma erstellte er 1943 einen Getränkekarton in Form eines Tetraeders, den sogenannten Tetra Pak. Am 18. Mai 1951 wurden diese Kartons auf dem Markt eingeführt. Bereits 1952 belieferte die neu gegründete Firma, die ebenfalls den Namen „Tetra Pak" trug, die erste Molkerei mit einer ihrer Abfüllanlagen.
In Deutschland dagegen war vor allem die „Perga-Packung" der Jagenberg Werke als Getränkekarton bekannt. Mit der wachsenden Standardisierung auf dem europäischen Markt, wechselten sowohl Jagenberg, als auch Tetra Pak zu quaderförmigen Verpackungen, dem „Blocpak" und dem „Tetra Brik". Die beiden Firmen standen spätestens zu diesem Zeitpunkt im direkten Konkurrenzkampf.
Den Ausschlag im Kräftemessen machte schließlich eine schweizerische Erfindung zur keimfreien Abfüllung von Milch. Bereits im Jahr 1961 hatte Tetra Pak so einen Prototypen einer Anlage vorgestellt, die Milch aseptisch abfüllen konnte. 1969 begann dann die Auslieferung der marktfähigen Abfüllmaschinen. Damit hatte sich Tetra Pak den entscheidenden technischen Vorteil gesichert und wurde auf dem Weltmarkt zum führenden Anbieter.
In Deutschland kamen mit Sunkist endlich gegen Ende der 1970er-Jahre auch die ursprünglichen tetraederförmigen Verpackungen in die Regale der Supermärkte und Kioske. Zu Beginn der 1990er-Jahre wechselte man jedoch auch hier auf quaderförmige Verpackungen.
Trotz aufwändiger Werbekampagnen, die die Umweltverträglichkeit von Getränkekartons anpreisen sollten, geriet Tetra Pak in den vergangenen Jahren immer wieder mit Negativschlagzeilen in die Presse. So berechnete die Deutsche Umwelthilfe, dass nicht, wie vom Konzern behautet 65%, sondern lediglich 35% des Verpackungsmaterials recycelt werden. 2005 gab es zudem einen Skandal, als bekannt wurde, dass Tetra Pak und das Verbraucherschutzministerium in Deutschland eine Belastung mit ITX in Getränkekartons vertuschten.
Wer sein Gewissen und seinen Körper mit derartigen Problemen nicht belasten möchte, dem bleibt wohl nur der Weg mit der Milchkanne zum Bauern seines Vertrauens – und die Hoffnung, dass dessen Milch nicht mit Wasser gepanscht ist.



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