Miguel de Cervantes war Anfang Zwanzig, als er 1570 der Eliteeinheit der Infanteria de Marina beitrat. Die Soldaten wurden an Bord von Galeeren eingesetzt und kämpften dort im Enterkampf - ähnlich wie an Land - Mann gegen Mann. Der große Gegenspieler der Spanier im Mittelmeer war damals das osmanische Reich, dessen Flotte als unbesiegbar galt. Als die Osmanen die venezianische Insel Zypern eroberten, vereinigte sich Spanien mit Venedig und anderen christlichen Mächten zur Heiligen Liga. Bei Lepanto kam es zur entscheidenden Seeschlacht, an der auch Miguel de Cervantes teilnahm.
Cervantes wurde im September 1571 von Neapel aus an Bord der Marquesa eingeschifft und fuhr Richtung Griechenland, wo man die Seeschlacht mit den Muslimen wagen wollte. Als sich die osmanische Flotte und die Flotte der Heiligen Liga am 7. Oktober bei Lepanto schließlich klar zum Gefecht machten, lag er allerding im Fieber darnieder. Voller Kampfeslust weigerte er sich weiterhin das Bett zu hüten und erklärte, er wolle lieber für Gott und König sterben, als sich an so einem Tag zu verstecken. Diesen Eifer musste er dann mit zwei Schusswunden in der Brust und einer Schusswunde im linken Arm bezahlen. Aus dem jungen Haudegen war „el manco de Lepanto", der Einarmige von Lepanto geworden.
Ein schwacher Trost für den verletzten Cervantes dürfte es gewesen sein, dass der Oberbefehlshaber der Flotte der Heiligen Liga, Don Juan de Austria, seinen Anteil an der Beute an die Verwundeten verteilen ließ. Ganze sechs Monate verbrachte er im Hospital, bis er wieder einsatzfähig war. Sein linker Arm aber blieb für den Rest seines Lebens entstellt. Cervantes´ militärische Karriere endete im Jahr 1575, als er von algerischen Piraten in eine fünf Jahre dauernde Sklaverei verschleppt wurde.
Zurück in Spanien widmete sich Miguel de Cervantes dann der Literatur und verarbeitete so auch seine Kriegserlebnisse. Im „Don Quijote" schildert er die Verhältnisse einer Galeerenschlacht: „Wenn zwei Galeeren in Mitten der weiten See auf einander stoßen, bleibt dem Soldaten nicht mehr Raum, als ihm eine zwei Fuß breite Planke gewährt. Kaum ist einer dort gefallen, so folgt ihm ein andrer, ohne nur dem Sterbenden zum Sterben Zeit zu lassen." An einer anderen Stelle lässt er eine Figur auftreten, die den Verlust der Hand in einer Schlacht nicht bedauert, da dies nicht bei einer Kneipenschlägerei, sondern „in dem großartigsten Ereignis, das die Vergangenheit oder Gegenwart gesehen haben, oder das die Zukunft zu sehen hoffen könnte."
Anspielend auf seinen Erfolg als Schriftsteller scherzt er in der Geschichte „Viaje de Parnaso" gar, er hätte „die Fähigkeit, seine linke Hand zu bewegen, zum Ruhm seiner rechten verloren". Eine Sichtweise, die anderen Verwundeten der Seeschlacht von Lepanto zu teilen eher schwer gefallen sein dürfte.


