Der Legende nach soll Zar Iwan seinen Baumeister nach Vollendung der Basilius-Kathedrale gefragt haben, ob dieser ein noch prächtigeres Gebäude errichten könne. Als der Baumeister diese Frage bejate, ließ Iwan ihn blenden. Die Basilius-Kathedrale sollte unübertroffen bleiben. Soweit die Legende. Tatsächlich fügte der angeblich blinde Baumeister noch nach dem Tod des Zaren eine Kapelle an den Hauptbau an.
An der Geschichte wird immerhin deutlich, welche symbolische Bedeutung die Kirche im russischen Selbstverständnis einnimmt. Im 16. Jahrhundert schüttelte das Großfürstentum Moskau unter seinem Zar Iwan dem Schrecklichen die Vorherrschaft der Tartaren ab. Der Vorgängerbau der Basilius-Kathedrale war zur Feier eines Sieges über das Tartaren-Khanat Kasan errichtet worden und sollte die militärische Macht des Herrschers dokumentieren. Doch auch die Lage der Kirche außerhalb der Kremlmauern zeigt ein politisches Bekenntnis des Zaren zur einfachen Bevölkerung, gegen die herrschende Klasse der Bojaren.
Über die Bedeutung der auffallenden Zwiebeltürme der 1561 errichteten Kirche sind sich die Historiker dagegen nicht einig. Eine Theorie sieht darin die Versinnbildlichung von brennenden Kerzen. Eine andere Theorie glaubt in den Zwiebelhauben die Turbane der besiegten Tartaren zu erkennen. Dieser Lesart findet ihre Entsprechung in der Verbreitung von Zwiebeltürmen im süddeutschen Raum im Zeitalter des Barock, als die dortigen Herrscher Siege gegen die Osmanen feierten.
Zar Iwan selbst weidete sich nicht lange an der Pracht der von ihm beauftragten Basilius-Kathedrale. Bereits drei Jahre nach der Fertigstellung verlegte er die Hauptstadt seines Reiches nach Alexandrow. Die Kirche selbst ist heute Teil des Staatlichen Museums für Geschichte.


