Ausgerechnet Herrenchiemsee, das Ludwig II. von Bayern ab 1878 als Kopie von Versailles errichten hatte lassen, wird mit der Landesausstellung nun zu einem Massenmagneten. Wenn er als König schon durch Parlament und preußischen Kaiser vom Regieren ausgeschlossen war, so wollte er zumindest so hausen, wie der von ihm verehrte Sonnenkönig Ludwig XIV.. Doch anders als Versailles, das von zehntausenden Adeligen und Dienstboten bevölkert war, sollte Herrenchiemsee Ludwig als einsame Rückzugsmöglichkeit dienen, in der er Träumen vom absolutistischen Königtum nachhängen konnte.
Doch der König verbrachte nur zehn Tage in seinem noch unvollendeten Schloss, bevor er 1886 entmündigt wurde und unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Wie es scheint wurde Ludwig II. auch in seinem letzten Willen entmündigt und man gab das Schloss Herrenchiemsee wenige Wochen nach seinem Tod der Öffentlichkeit zur Besichtigung frei, anstatt es, wie gewünscht zu zerstören. Möglicherweise wollte man auf diese Weise die Verschwendungssucht des Herrschers vor Augen führen und so nachträglich die Entmündigung zu legitimieren, die im Grunde nichts anderes gewesen war als ein Staatsstreich.
Bei der Landesausstellung mit dem Titel „Götterdämmerung" wird das Leben und Wirken des Opernbegeisterten Ludwigs in fünf Akten präsentiert:
1. Akt: Wie Ludwig König wurde
2. Akt: Wie der König Krieg führen musste und einen Kaiser über sich gesetzt bekam
3. Akt: Wie der König seine Gegenwelten schuf
4. Akt: Wie Ludwigs Königreich modern wurde
5. 5. Akt: Wie Ludwig starb und zum Mythos wurde
Für den „Kini" wäre diese Ausstellung aller Wahrscheinlichkeit eine skandalöse Zumutung: nicht nur, dass sein Privatleben und seine Privatgemächer dem einfachen Volk zugänglich gemacht werden, nein, man präsentiert auch seine Bauleidenschaft als die Geschichte eines Scheiterns. So sind auf Herrenchiemsee auch die Bereiche zugänglich, die sich noch im Stadium des Rohbaus befinden. Sie sollen einen Kontrast bilden, zu den reich ausgeschmückten Paraderäumen.
Wenigstens hat man auch den „teuersten Raum des 19. Jahrhunderts", Ludwigs Paradeschlafzimmer auf Schloss Herrenchiemsee, aufwändig restauriert. Es ist dem Vorbild auf Versailles nachempfunden und befindet sich auch architektonisch in derselben Lage in der Mitte des Schlosses, wie auch das Original seines Namensvetterns. Da dieses Zimmer nur zu Schauzwecken diente, blieb es zu Lebzeiten von Ludwig II. ungenutzt und weist den König so als reinen Jünger der Dekadenz aus, gemäß dem Motto: L´art pour l´art.


